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Ausstellung: 500 Jahre alte Bibeln aus Hamburg

Donnerstag, den 12.01.2023

Pressespiegel

Die Ausstellung "De gantze hillige Schrifft" in der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek zeigt, wie sich der Blick auf die Bibel in den vergangenen 500 Jahren verändert hat.

Daniel Kaiser, NDR Kultur

Die erste Bibel-Übersetzung in der Hansestadt aus dem Jahr 1523 ist ein besonderer Hamburger Schatz. Das plattdeutsche Buch ist der Star der Ausstellung in der Staats- und Universitätsbibliothek über 500 Jahre Bibeldruck in Hamburg. Das kleine Neue Testament im Manteltaschenformat musste damals noch im Untergrund - in einem Hamburger Hinterzimmer - gedruckt werden, denn 1523 war Hamburg noch katholisch, und deutsche und plattdeutsche Übersetzungen galten als lutherische Propaganda.

"Martin Luther wurde verfolgt, und das gleiche galt auch für Buchdrucker, die die reformatorischen Schriften verbreiteten", sagt Anne Liewert von der Staatsbibliothek Hamburg. "Dieses Neue Testament von 1523 trägt keinen Namen, und man wusste lange nicht, wer es gedruckt hat."

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Streit um Bibel-Übersetzungen

Ein Raum voller alter Bibeln klingt erst einmal nicht nach einem aufregenden Ausstellungserlebnis, doch die kleine Schau erzählt lebendig und interessant anhand der Bücher eine besondere Stadt- und Kulturgeschichte. Nach der Reformation war Hamburg jahrhundertelang streng lutherisch, andere Übersetzungen als die des Reformators hatten keine Chance in der Stadtgesellschaft.

Die Ausstellung präsentiert eine mächtige Bibelausgabe, die vier Übersetzungsvarianten nebeneinander druckt. "Konzipiert wurde diese Bibel wahrscheinlich in Hamburg, es war aber undenkbar, dass sie hier gedruckt werden konnte", sagt Anne Liewert. Deshalb erschien diese Ausgabe in Wandsbek, das damals noch vor den Toren Hamburgs lag und liberaler war.

Pastor Goeze: Lessing-Gegner und Bibel-Sammler

Ein Großteil der historischen Bücher stammt aus der Sammlung des evangelischen Pastors Johann Melchior Goeze (1717-1786), der an der Hauptkirche St. Katharinen wirkte und bis heute vielen als Gegenspieler Lessings im Streit um die Aufklärung ein Begriff ist. Hunderte Bibeln hatte Goeze gesammelt, von denen allerdings viele im 2.Weltkrieg zerstört wurden.

Die Ausstellung zeigt auch, wie sich die Stadtgesellschaft im Laufe der Jahrhunderte gewandelt und der Blick auf die Bibel verändert hat. Als man in Hamburg begann, die Bibel historisch-kritisch zu lesen, sie also vom wortwörtlichen Verständnis zu befreien, erschien 1815 die sogenannte "Altonaer Bibel" mit entsprechenden Anmerkungen im Text, die für einen Sturm der Entrüstung sorgte. Davon zeugen ein Dutzend Streitschriften, die in der Vitrine die Bibel umkreisen. Auch Kinderbibeln oder moderne, von Künstlern gestaltete biblische Geschichten aus Hamburg sind in der Ausstellung zu sehen.

Kontakt:

Referat für Öffentlichkeitsarbeit


Dr. Konstantin Ulmer
E-Mail: konstantin.ulmer@sub.uni-hamburg.de
Telefon: +49 40/42838-5918

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