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Rückgabe von NS-Raubgut im Fontanejahr 2019

Perşembe, den 17.10.2019

SUB restituiert Bücher an die Erbin von Hans Sternheim und bekommt ein großes Geschenk.

Übergabe am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 11 Uhr


Raum AB 312 im Altbau der Staats- und Universitätsbibliothek
(Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg), Eingang über den Haupteingang
Weitere Informationen:
stabi.hamburg/sammlungen/ns-raubgut/die-arbeitsstelle-provenienzforschung.html
Pressefotos: stabi.hamburg/pressefotos


Die erfolgreiche Suche nach NS-Raubgut in Bibliotheken führt in den meisten Fällen dazu, dass Bücher das Haus verlassen, um zu ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzukehren. Manchmal kommt es auch zu großzügigen Dauerleihgaben. Aber nur sehr selten passiert das, was unsere Bibliothek jetzt erfahren durfte: Dass einstmals geraubte Bücher nicht nur bleiben dürfen, sondern dass die Bibliothek auch noch wertvolle Geschenke dazubekommt – in diesem Fall ein Buch mit Original-Widmung von Theodor Fontane.


Der Hintergrund dieser besonderen Geschichte: Im Mai 1939 kaufte die Bibliothek 78 Bücher auf einer Auktion, ein Großteil davon stammte von „St. in Berlin“ und war aus „nicht-arischem Besitz“. Dahinter verbarg sich der Buchsammler Hans Sternheim aus Berlin. Heute sind in der SUB nur noch fünf Bücher aus diesem Ankauf vorhanden. Sie sollen am 24. Oktober zurückgegeben werden.


Hans Sternheim – nicht zu verwechseln und nicht verwandt mit dem Dichter Carl Sternheim – wurde 1880 in eine Berliner Bankiersfamilie hineingeboren, die zum engsten Kreis der Freunde des Dichters Theodor Fontane gehörte. Die Sternheims traten schon im späten 19. Jahrhundert vom Judentum zum Protestantismus über. Bei der Taufe des Sohnes Hans 1893 übernahm Fontane die Patenschaft und blieb bis zu seinem Tod 1898 in enger Verbindung. Hans Sternheim war später ein hochangesehener und wohlhabender Druckereibesitzer in Berlin. Ab 1933 verfolgten die Nationalsozialisten ihn und seine aus Hamburg stammende Frau Ida Eschwege als „Volljuden“. Berufsverbot und Entrechtung trieben die beiden ab 1936 in existentielle Not. Sternheims unfreiwilliger Verkauf von Büchern im Mai 1939 ist als NS-verfolgungsbedingter Entzug zu werten. Die 1939 von der Bibliothek erworbenen Bücher sind deshalb NS-Raubgut.

1942 wurden die Sternheims nach Theresienstadt deportiert, 1944 in Auschwitz ermordet. Ihr einziges Kind Käthe Mertens, geschiedene Frau eines nichtjüdischen Berufsoffiziers, musste in Berlin Zwangsarbeit leisten. Anfang 1944 konnte sie untertauchen und überlebte den Krieg in der Oberlausitz. Käthe Mertens 1929 geborene Tochter Ingrid lebt bis heute in Berlin. Im Sommer 2019 hat die SUB Kontakt zu ihr aufgenommen. Sie war über den Kontakt hoch erfreut und hat sich entschieden, die Bücher ihres Großvaters in der SUB zu belassen und uns zusätzlich Familiendokumente und Bücher zu schenken – darunter einen Gedichtband mit persönlicher Widmung Theodor Fontanes an Hans Sternheims Mutter Marie, „in herzlicher Freundschaft“.


Prof. Robert Zepf, Direktor der SUB: „Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg hat nach 1933 viele Bände in den Bestand aufgenommen, die nach heutigen Kriterien NS-Raubgut sind. Seit vielen Jahren arbeiten wir daran, diese Zugänge aufzufinden, zu dokumentieren und zu kennzeichnen und nach Möglichkeit den Eigentümern bzw. deren Erben zurückzugeben. In vielen Fällen ist dies leider nicht mehr möglich. Ich bin daher sehr froh, dass wir durch die intensiven Recherchen der Arbeitsstelle Provenienzforschung diese Restitution vornehmen können und bin sehr berührt und dankbar über das großzügige Geschenk von Frau Mertens.“


Am 24. Oktober wird die 90-jährige Ingrid Mertens nach Hamburg kommen. In einer kleinen Feierstunde um 11 Uhr wird die Bibliothek die Bücher restituieren und wieder in Empfang nehmen. Mit dieser Restitution wird auf den leider fast vergessenen Bücherfreund Hans Sternheim und seine tragische Geschichte zwischen Fontane und Auschwitz aufmerksam gemacht.


Für Nachfragen: Anneke de Rudder
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg
Arbeitsstelle Provenienzforschung
Tel.: 040/42838-3348 Mail:
anneke.derudder@sub.uni-hamburg.de

Kontakt:

Ann-Kristin Hohlfeld


Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hauptgebäude, R 273
E-Mail: ann-kristin.hohlfeld@sub.uni-hamburg.de
Telefon: +49 40/42838-5857
Telefax: +49 40/42838-3352

Foto von Ann-Kristin Hohlfeld