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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Mit dem Kindertransport nach Großbritannien

Mittwoch, den 29. Mai 2013

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde das Buch: „... das Buch Esther“ von Karl Kupfer als „Alter Bestand“ im Zugangsbuch der SUB eingetragen. In Ihm findet sich eine Widmung für Abraham Becker, für seine guten Leistungen im letzten Schuljahr der Israelitischen Religionsschule in Kiel aus dem Jahre 1931.

Abraham Becker war das älteste von drei Kindern. Seine Eltern Feiwel und Bluma Becker zogen kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges aus Galizien nach Kiel. Nach dem Tod seiner Mutter heiratet sein Vater erneut und 1932 wurde sein Halbruder Julis geboren.

Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten sah sich die Familie einer verstärkten Bedrohung ausgesetzt, als so genannte „polnische Juden“ waren sie zusätzlich gefährdet. Feiwel und seine zweite Frau Rosa Becker versuchten die älteren Kinder ins Ausland in Sicherheit zu bringen. Der Bruder Simcha kam bereits 1936 zur Vorbereitung der Auswanderung mit 13 Jahren in ein Kinderheim nach Berlin, von wo aus er im Juli 1938 nach Palästina ausreisen konnte.

Abraham Becker und sein Bruder Osia gelang mit einem der Kindertransporte 1939 die Flucht nach Großbritannien. Osia Becker war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt, Abraham Becker 18. Nur der jüngste Bruder Julius blieb bei den Eltern zurück. Im Sommer 1939 wurden die Drei als polnische Juden aus Deutschland ausgewiesen und suchten bei Verwandten in der Nähe von Lemberg Zuflucht. Ihr weiteres Schicksal ist nicht bekannt, aber sie wurden vermutlich im September 1942 in das Vernichtungslager Belzec deportiert und dort ermordet: Feiwel und Rosa Becker und der zehnjährige Julius.

Abraham Becker arbeitete zunächst in Nordirland auf einer Farm. Dort lernte er auch seine spätere Frau Erna kennen. Die Beiden blieben in Großbritannien und zogen später nach London, wo Abraham Becker bis zu seinem Tode lebte.

Mithilfe der Looted Art Commission in London konnten wir nun die beiden Töchter von Abraham Becker kontaktieren und das Buch Ihres Vaters in den Familienbesitz zurückgeben.