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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Ein Geschenk der Familie Levy an die Jüdische Gemeinde Hamburg

Mittwoch, den 24. September 2014

Die Suche begann mit einem Besitzstempel in einem Buch – Ludwig Levy, Hamburg Parkallee 13 war da zu lesen.

Erste Recherchen führten nicht zu einer eindeutigen Identifizierung. Drei Spuren wurden zunächst verfolgt, in der Hoffnung den richtigen Ludwig Levy zu finden. Eine davon führte in das Archiv des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes in Bad Arolsen. Der eigentliche Durchbruch gelang uns aber erst durch weitere Bücher von Ludwig Levy, auf die wir bei der Überprüfung der Altbestände der Stabi im letzten Jahr stießen. In diesen Büchern fanden sich zum Teil reich verzierte selbstgeschriebene genealogische Notizen über Ludwig Levy sowie seiner Familienangehörigen.

Ludwig Levy war offenbar ein Buchliebhaber und hatte für die Bücher seiner Bibliothek zahlreiche Widmungen und Gedenkblätter für Familienangehörige erstellt. Aus ihnen erfuhren wir einiges über die Geschichte der Familie Levy und zugleich halfen sie dabei, die Angaben aus Bad Arolsen zu verifizieren. Für die Suche nach den Erben waren diese Genealogien ebenfalls sehr hilfreich.

Ludwig Levy und sein Zwillingsbruder Joseph kamen am 10. März 1875 auf die Welt. Ihre Mutter sollten die Zwillinge nie kennenlernen, denn sie starb kurz nach der Geburt. Die Beiden wuchsen in Hamburg auf und traten später in die Firma ihres Vaters ein. Gemeinsam führten sie den Altmetallhandel Abraham Levy in Rothenburgsort nach dem Tod des Vaters fort. 1907 heiratete Ludwig Ida Winterberger und bekam mit ihr einen Sohn – Hartwig. Die Familie lebte in der Parkallee 13, die Adresse auf dem oben erwähnten Stempel.

Ludwig diente als Soldat und kam mit dem Eiserenen Kreuz dekoriert aus dem ersten Weltkrieg zurück. Nach seiner Rückkehr nahm er die Arbeit im Familiengeschäft wieder auf, das er nach dem Tod des Bruders 1924 alleine weiterführte.

Die Familie schien sich der Gefahren nach 1933 bewusst gewesen zu sein. Sohn Hartwig emigrierte 1939 mit seiner Frau Irma noch rechtzeitig in die USA. Seine Eltern blieben zunächst in Hamburg und Ludwig führte sein Unternehmen trotz der zunehmenden Ausgrenzung weiter. Am 10.11.1938 wurde er im Zuge der Pogrome in Deutschland verhaftet und war 14 Tage im KZ-Sachsenhausen inhaftiert. Noch einmal entkam er für kurze Zeit den nationalsozialistischen Haftanstalten und kehrte nach Hamburg zurück. Nach dieser willkürlichen Inhaftierung und durch die Erlebnisse der KZ-Haft entschlossen er und Ida sich zur Flucht. Aus überlieferten Briefen zwischen ihnen und den in den USA lebenden Kindern (Sohn und Schwiegertochter) lässt sich entnehmen, dass mehrere Versuche scheiterten und die Eheleute wie viele andere Verfolgte in Hamburg gefangen waren. Ein Entkommen war nicht mehr möglich.

Am 15.7.1942 wurde Ludwig verhaftet und zwei Tage später zusammen mit Ida in das Ghetto von Theresienstadt deportiert von wo sie ca. zwei Monate später in das Vernichtungslager Maly Trostinec gebracht wurden. Das genaue Todesdatum von Ludwig und Ida ist unbekannt.

Ihr Sohn Hartwig nun Howard, versuchte nach Kriegsende etwas über den Verbleib seiner Eltern in Erfahrung zu bringen, bekam aber nur die Mitteilung, dass seine Eltern vermutlich ermordet worden waren.

1994 übergab der Sohn eines nichtjüdischen Freundes von Ludwig Levy zahlreiche persönliche Dokumente an das „Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland“ in Heidelberg. Sein Vater hatte die Dokumente vor der Deportation von Ludwig und Ida in Verwahrung genommen und bis zu diesem Zeitpunkt sicher verwahrt. Das Zentralarchiv leitete die Dokumente zu Irma Levy nach New York weiter, die sie dem Leo Baeck Institut schenkte, wo sie die Grundlage für die Ludwig-Levy-Collection bildeten.

Mit Hilfe des Das Leo Baeck Instituts gelang es den Kontakt zu Irma Levy aufzunehmen. Im August 2014 konnten wir die Schwiegertochter von Ludwig Levy in den USA erreichen und auf Ihren Wunsch hin finden die Bücher nun in der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Hamburg eine neue Bleibe.