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Auf den Spuren einer Heiligen – überraschender Besuch für das Projekt NS-Raubgut an der SUB

Freitag, den 05. September 2014

Von Volker Cirsovius-Ratzlaff

Dass sich Forscher für das Leben von Heiligen interessieren, ist durchaus nicht ungewöhnlich. Dass sich dabei auch Berührungspunkte mit der Suche nach NS-Raubgut an der SUB Hamburg ergeben, hat uns dann aber doch überrascht.

Ende Juni erhielten wir Besuch von Freunden der Familie Batzdorff aus den USA. Mit der Familie Batzdorff stehen wir seit 2012 in Kontakt. Im Rahmen unserer Recherche hatten wir mehrere Bücher aus dem Familienbesitz gefunden und nach längerer Suche die Eigentümer der geraubten Bücher ausfindig gemacht. Die Erben hatten seinerzeit die Bücher unserer Bibliothek als Geschenk überlassen.

Prof. Dr. Joyce Berkman und ihr Mann Prof. Dr. Len Berkman kamen nun im Juni dieses Jahres nach Deutschland und nahmen im Vorweg Kontakt zu unserer Bibliothek auf. Frau Berkman ist jüngst emeritierte Professorin an der Universität von Massachusetts. Sie forscht schon seit Jahren über das Leben von Edith Stein. Edith Stein war 1922 zum katholischen Glauben konvertiert und setzte sich fortan als Nonne für Frauenrechte ein. 1941 wurde die Ordensschwester in den Niederlanden verhaftet und nach Auschwitz deportiert, wo sie am 9. August 1942 ermordet wurde. Am 11. Oktober 1998 wurde sie durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen.

Da Edith Stein eine Verwandte der Familie Batzdorff war, erfuhr Frau Berkman so von unserem Projekt zur Suche nach NS-Raubgut an der SUB Hamburg. Neben ihrer Suche nach Spuren von Edith Stein war sie sehr daran interessiert, die Bücher der Familie Batzdorff persönlich in Augenschein zu nehmen.

Die beiden wollten im Rahmen ihres Besuches auch mehr über das Projekt unserer Bibliothek erfahren. Da Alfred Batzdorff bereits 92 Jahre alt ist, musste er im letzten Jahr eine geplante Reise nach Deutschland leider absagen. Er ließ unserer Bibliothek und allen Mitarbeitern herzliche Grüße ausrichten.

Die Eheleute Berkman nahmen die Bücher genau in Augenschein. Dabei wurde auch gerätselt, ob die Randnotizen und unterstrichenen Textpassagen möglicherweise von Alfred Batzdorff stammen könnten. In dem einstündigen Besuch war das große Interesse der Berkmans für die Arbeit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg zu spüren.

Neben dem Besuch konnten wir Frau Berkman auch einen Kontakt nach Berlin vermitteln, wo sich Provenienzspuren einer Edith Stein fanden. Unter anderem konnten wir auch ein Buch der Mutter von Alfred Batzdorff zeigen, welches wir erst kürzlich in unseren Altbestand gefunden haben.

Briefmarke Edith Stein

Kontakt:

Arbeitsstelle Provenienzforschung - NS-Raubgut


Anneke de Rudder / Maria Kesting
Historikerin / Leiterin
E-Mail: nsraubgut@sub.uni-hamburg.de
Telefon: +49 40/42838-3354 / -3351
Telefax: +49 40/42838-3352