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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Pressemitteilung NS-Raubgut: Nach 70 Jahren – ein Buch beendet seine Irrfahrt

Mittwoch, den 09.11.2011

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky restituiert ein Buch an die Erben

Am Anfang stand ein Geburtstagsgeschenk, das Elias und Cäcilie Heilbrun ihrem Sohn zum 16. Geburtstag am 1.11.1899 machten. „ ...von seinen ihn liebenden Eltern... lesen wir in der Widmung der einbändigen Heinrich Heine Ausgabe.

Ob Curt Heilbrun das Buch gelesen hat, ob Heines Worte ihm etwas bedeutet haben, wissen wir nicht. Aber dass es eine bewegte Geschichte hat, ist inzwischen bekannt. Seit 1899 wird es im Bücherregal von Curt Heilbrun neben anderen Büchern gestanden haben. 1941 wird es der Bibliothek der Hansestadt Hamburg, wie die Staats- und Universitätsbibliothek damals hieß, von der Gestapo „geschenkt“. Was ist passiert? Dr. Curt Heilbrun war in den 1930iger Jahren als Augenarzt in Erfurt tätig und aktives Mitglied der dortigen jüdischen Gemeinde. Die schleichende Entrechtung der Familie nach 1933 gipfelte schließlich in der Verhaftung von Curt Heilbrun am 9. November 1938 im Zuge der Pogromnacht. Etwa einen Monat lang war er unter der Häftlingsnummer 20494 im KZ Buchenwald eingesperrt.

Nach seiner Entlassung gelang es ihm, für seine Familie eine Ausreisegenehmigung nach Großbritannien zu erwirken. Im Juni 1939 reisten er, seine Frau Elsa und der Sohn Max Werner aus. Das Umzugsgut sollte über Hamburg verschifft werden und der Familie folgen. Dazu kam es nicht, denn es wurde im Hamburger Hafen beschlagnahmt und „für das Reich verwertet“, wie es in der damaligen Amtsprache hieß. Wieviele Bücher sich im Besitz der Familie Heilbrun befanden und ob diese alle der Bibliothek „geschenkt“ wurden, ist nicht mehr feststellbar. Gefunden wurde in den Beständen der Stabi bislang nur die Werkausgabe von Heinrich Heine mit der besonderen Geburtstagswidmung.

Mit Hilfe des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes in Bad Arolsen führten uns weitere Nachforschungen zur Wiedergutmachungsakte, die im Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv Hannover eingesehen werden konnte. Mit den neuen Informationen wandte sich die Stabi an die „Commission for Looted Art in Europe“ in Großbritannien, die letztendlich einen Kontakt zu den Enkeln von Curt Heilbrun vermittelte.

„Ich bin sehr froh, dass das Buch nun, 70 Jahre nachdem es unrechtmäßig der Bibliothek übereignet wurde, auf die Reise zu den rechtmäßigen Erben gehen kann“, sagt die Direktorin der Stabi, Prof. Dr. Gabriele Beger.

Aufgespürt wurde das Buch in dem Projekt „NS-Raubgut“ der Staats- und Universitätsbibliothek, das seit 2006 in den eigenen Beständen nach geraubten Büchern sucht, sie im Katalog verzeichnet und sich um ihre Rückgabe bemüht.

Das Projekt im Internet:

http://www.sub.uni-hamburg.de/bibliotheken/projekte/ns-raubgut.html

Pressefoto (Widmung an Curt Heilbrun):

http://www.sub.uni-hamburg.de/bibliotheken/presse-ausstellungen-veranstaltungen/presse-bereich.html


Für Nachfragen:

Dr. Marlene Grau, Tel.: 040 - 428 38 - 5857, Fax: 040 - 41 34 50 78

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg

E-Mail: grau@sub.uni-hamburg.de, www.sub.uni-hamburg.de

Kontakt:

Arbeitsstelle Provenienzforschung - NS-Raubgut


Anneke de Rudder / Dr. Wiebke von Deylen
Wiss. Mitarbeiterin / Kommissarische Leitung
E-Mail: nsraubgut@sub.uni-hamburg.de
Telefon: +49 40/42838-3348 / -2225
Telefax: +49 40/42838-3352