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Hamburg, Carl von Ossietzky

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Juli 2012

‚Kleinodienbuch‘ des Jakob Mores
Hamburg, 1593-1602
Pergament- und Papierhandschrift – 82 Blätter – 35 x 24 cm (Bl. 11: 22,2 x 105 cm / Bl. 29: 8 x 88 cm)

Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Cod. in scrin. 1 a

Dieser Sammelband mit Entwurfszeichnungen des Hamburger Goldschmieds Jacob Mores d. Ä. († 13.3.1609) für Kronen, Prunk-Ketten und Kleidungsschmuck wurde von Johann Christian Wolf 1768 in Kopenhagen von A. C. Wolters für drei Dukaten erworben und kam über die Sammlung Wolf an die SUB Hamburg.

Expo des Monats (Juli)

Als Goldschmiedemeister ist Jacob Mores der Ältere seit 1579 bezeugt; als Einstand lieferte er dem Hamburger Rat einige Prunkpokale, die als Präsente Verwendung fanden: Zwei davon, von beträchtlichem Silbergewicht (757 Lot = 11 Kg) sind im Moskauer Kreml erhalten. Mores fand seine Kundschaft vor allem in den Herzogs- und Königshäusern Nordeuropas. So sind Lieferungen an den Grafen Ernst zu Schleswig-Holstein-Schauenburg oder an König Christian IV. von Dänemark bezeugt. Der wohl umfangreichste Auftrag für sein Handelshaus war die Lieferung oder Fertigung des Ebenholz-Silber-Altars und der Kanzel für die Schlosskapelle im dänischen Frederiksborg, 1606.

Mores verstand sich vor allem als Schmuck- und Edelstein-Händler, als Betreiber eines Handelshauses für Pretiosen gewissermaßen; in der eigenen Werkstatt bildete er nur am Anfang seiner beruflichen Tätigkeit auch Lehrlinge aus. Mores war ein reicher Mann, der mehrere Häuser in Hamburg und ausgedehnten Grundbesitz im Umland besaß, wie die Nachlassinventare des Sohnes Hans Mores und Enkels Jakob Mores d.J. (1630 und 1649) zeigen.

Expo des Monats (Juli)

In diesem Zusammenhang ist auch das sog. ‚Kleinodienbuch‘, Cod. in scrin. 1a der Hamburger Staatsbibliothek, und sein Gegenstück in Berlin (Berlin, Staatl. Museen Preuß. Kulturbesitz, Kunstbibliothek, Hdz. 1491) zu sehen. „Zusammen umfassen sie mehr als 140 Pokale, Becher, Kannen, Tafelaufsätze unterschiedlicher Formen, Tafelgeschirre, Flaschen, Schmuckkästen, Kaminböcke, Leuchter, Kronen, Haarschmuck, Hutagraffen, Halsbänder, Ketten, emaillierte und mit Juwelen besetzte Anhänger.“ (Appuhn, in: Stadt im Wandel Bd. 2, S. 751).

Die beiden Bände sind wohl dadurch entstanden, dass die Goldschmiede Mores von ihren Entwurfszeichnungen, die den potentiellen Auftraggebern vorgelegt wurden, Doppel herstellten und aufbewahrten. So kam im Laufe der Jahre die sehr umfangreiche Sammlung zustande, die stets hoch geschätzt wurde; die beiden Bände sind beispielsweise im Nachlaß-inventar des Jakob Mores II aus dem Jahr 1649 eigens aufgeführt: „1 Buch in Folio, in weiß Pergamen, worin allerhand Kleinodien gezeichnet [= Hamburg. Cod. in scrin. 1a]. – 1 Buch in Fol. in Schreibpergamen gebunden, worin allerhand Sorten von Pokalen gezeichnet [= Berlin, Kunstbibl.].“

Expo des Monats (Juli)

Ohne Frage haben die dargestellten Gold- und Silberschmiedewerke tatsächlich einmal existiert. Aber es ist sehr schwierig, Werke des Jakob Mores in heutigen Sammlungen nachzuweisen, vom Altar in Frederiksborg einmal abgesehen. Dennoch sind einige Schmuckstücke etwa in den Sammlungen der sächsischen Könige im ‚Grünen Gewölbe‘ in Dresden erhalten geblieben. Das bedeutendste Ensemble von Mores’schen Arbeiten fand sich 1946 in der Gruft der Pommernherzöge in der Schlosskirche zu Stettin und wird derzeit im Muzeum Narodowe w Szczecinie ausgestellt: ‚Das goldene Zeitalter Pommerns‘.

Der Hamburger Kunsthistoriker, Museumsmann und Denkmalpfleger Richard Stettiner (1865-1927) hat 1916 die bislang einzige Monographie zum Hamburger Kleinodienbuch publiziert, nachdem der Band im Herbst 1913, „aus Anlaß einer Ausstellung wertvoller Handschriften und Bücher“ im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg gezeigt wurde; aus dieser Zeit stammt die Eintragung seines Direktors Justus Brinckmann (1843-1915) auf dem Benutzerzettel: „Offenbar [durchgestrichen und verbessert in: ‚vielleicht‘] ist dieser Band derselbe, der im Inventar des Nachlasses des Hamburger Goldschmiedes Mores II erwähnt wird.“

Expo des Monats (Juli)

Die SUB besitzt unter der Signatur Cod. in scrin. 30 d einen weiteren Band mit 115 Entwurfszeichnungen, vermutlich von einem Straßburger Goldschmied, aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Hans-Walter Stork

Literatur

  • Bernhard Olsen: Die Arbeiten der hamburgischen Goldschmiede Jacob Mores Vater und Sohn für die dänischen Könige Frederik II. und Christian IV. Hamburg 1903.
  • Rudolf Stettiner: Das Kleinodienbuch des Jacob Mores in der Hamburgischen Staatsbibliothek. Eine Untersuchung zur Geschichte des Hamburgischen Kunstgewerbes um die Wende des 16. Jahr-hunderts. Hamburg 1916.
  • Tilo Brandis: Die Codices in scrinio der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg 1-110. Hamburg 1972, S. 24-25.
  • Erich Schliemann (Hg.): Die Goldschmiede Hamburgs. Hamburg 1985, Bd. I, S. 94-103 (Bernhard Heitmann).
  • Ausstellungskatalog Braunschweig 1985: ‚Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland. Stuttgart-Bad Cannstadt 1985, Bd. 2, Nr. 665a-c (Horst Appuhn).

Zu Cod. in scrin. 30d:

  • Brandis, S. 76f. – Friedrich Limmer: Über ein Unicum auf der Stadtbibliothek. In: Vaterstädtische Blätter der Hamburger Nachrichten, Nr. 87 März 1857. - J. F. Voigt: Ein Musterbuch für Goldschmiedearbeiten aus den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts. In: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte 12, 1916, Heft 3, S. 286-288.

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Ann-Kristin Hohlfeld

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