Bernhard Schädel
Bernhard Schädel

Enthusiasmus und Methode: Das Katalanische und die deutsche Romanistik

Was trieb zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts jene Menschen, mit Heft und Stift in der Hand, die sich wochenlang durch die unwegsamsten Gegenden Südeuropas zu Fuß oder auf dem Maultier schlugen? Die Fragen an die Einheimischen hatte man vorab gründlich vorbereitet und die Hefte füllten sich schnell mit akribisch notierten Konjugationen, lexikalischen Besonderheiten und systematisch transkribierten Lauten. Die Ausstellung zeigt u.a. die Ergebnisse einer solchen philologischen Sammelwut: Wörterbücher, Grammatiken und Sprachatlanten.

Von Anfang an beschäftigte sich die Romanistik, jene deutsche Erfindung des 19. Jahrhunderts, die durch ihre komparativen Methoden Weltgeltung erlangte, mit der katalanischen Sprache. In den Ländern der kleineren romanischen Sprachen stieß das deutsche Romanistikkonzept, das sämtliche romanische Sprachen als gleichwertige Ableger des Latein ansah und ihnen daher ernsthafte Aufmerksamkeit schenkte, auf große Sympathie.

Im katalanischen Sprachraum fiel die Zeit dieser zunehmenden Beachtung seitens deutscher Wissenschaftler zusammen mit dem Höhepunkt eines Prozesses der Rückbesinnung auf die eigene Kultur. Der anfänglichen Begeisterung für die Wiederentdeckung des reichen mittelalterlichen Spracherbes folgte die Erkenntnis, dass die Normierung des Katalanischen für dessen modernen Gebrauch eine unaufschiebbare Aufgabe war.

Die Katalanen verstanden es, sich das philologische Interesse der deutschen Romanisten zu Nutze zu machen, und es in die eigenen Bemühungen um eine brauchbare und allgemein akzeptierte Sprachkodifizierung zu integrieren.

Ein anschauliches Beispiel dieser fruchtbaren Konstellation bietet die Beziehung zwischen dem deutschen Romanisten und talentierten Organisator Bernhard Schädel (Gründer des Hamburger Iberoamerikanischen Instituts) und dem mallorkinischen Vikar und enthusiastischen Sprachliebhaber Antoni M. Alcover. Ihre Begegnung 1904 wurde der Anfang einer Freundschaft, die bis zum frühen Tod Schädels 1926 währen sollte.

Postkarte von Bernhard Schädel
Postkarte von Bernhard Schädel

Meilensteine ihrer Zusammenarbeit, die in der Ausstellung präsentiert werden, waren eine gemeinsame dialektologische Exkursion durch die Pyrenäen, die Beteiligung Schädels am 1.Internationalen Kongress der Katalanischen Sprache 1906 in Barcelona und das auf Initiative Schädels gestartete Stipendiatenprogramm, welches junge Katalanen in Deutschland zu Philologen ausbildete. Ein weiterer Schwerpunkt sind die zahlreichen Anregungen und Ratschläge mit denen Schädel den mallorkinischen Vikar bei seinem Lebenswerk, dem großen Wörterbuch Català-Valencià-Balear, unterstützte.

Umschlag der Zeitschrift für Katalanistik
Umschlag der Zeitschrift für Katalanistik

Heute ist die einstige Vorbildfunktion, die die deutsche Romanistik bis 1933 hatte, nicht mehr gegeben. In manchen Bereichen, wie z. B. in der Soziolinguistik hat die katalanische auf die deutsche Sprachwissenschaft in den 70er und 80er Jahren inspirierend gewirkt. Das Katalanische erfreut sich hierzulande weiterhin eines regen Interesses. Die Ausstellung zeigt auch welche deutschen Universitäten sich mit der katalanischen Sprache beschäftigen.

Die SUB Hamburg besitzt umfangreiche Bestände zur katalanischen Philologie – sowohl historische als auch aktuelle- , da sie seit den zwanziger Jahren einen nationalen Sammelauftrag zum iberischen Kulturkreis erfüllt.

 

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