Handschriften

- Objekt-Nr. 45
Mozart-Manuskript für das Schauspielhaus am Gänsemarkt
Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791): Die Wette oder, Mädchen-List und Liebe: ein Singspiel in vier Aufzügen / Nach Cosi fan tutte von C. F. Brezner. Die Musik ist von Mozart.
Handschrift, Hamburg 1796, mit zahlreichen Korrekturen, Ergänzungen und Streichungen; 22 Blätter; beiliegend Rollenhefte der Charlotte und des Ferdinando
Provenienz: Stadttheater-Gesellschaft Hamburg
Bibliothekssignatur: Theater-Bibliothek 874
Das als Soufflier- oder Inspektionsbuch genutzte Textbuch entstand anläßlich der Hamburger Erstauffühung von Mozarts Oper Così fan tutte im Schauspielhaus am Gänsemarkt am 3.2.1796. Es enthält den Text zu Mozarts Oper in einer neuen deutschsprachigen Singspiel-Bearbeitung des Leipziger Theaterdichters Christoph Friedrich Bretzner (1746–1807), für die man sich am Hamburger Theater entschieden hatte. Der nicht von Bretzner stammende Titel Die Wette oder, Mädchen-List und Liebe geht auf eine Mannheimer Bearbeitung der Mozart-Oper aus dem Jahr 1793 zurück, von wo auch ein Teil des verwendeten Notenmaterials stammte. Das Textbuch dokumentiert somit die Textgestalt, in der Mozarts Oper in Hamburg zwischen 1796 und 1812 erklang. Es enthält zahlreiche Korrekturen, Zusätze, Striche und Regieanweisungen und bietet damit Einblicke in die Arbeit am damaligen Hamburger Theater.
Zustand: Ganzpapier über Pappdeckeln, berieben mit aufgestoßenen Ecken und lädierten Kanten, Titelschild beschädigt, Buchblock verschmutzt, mit losen und herausgeschnittenen Blättern, lose beiliegend zwei Rollenhefte.
Was ist zu tun: Trockenreinigung, lose Blätter befestigen, Einbandschäden bearbeiten (Titelschild sichern, Kanten sichern, Ecken verstärken), Aufbewahrung mit den Rollenheften zusammen in alterungsbeständiger Schutzkartonage.
Restaurierungskosten: 400 €

Objekt-Nr. 44
Der niederländische Messias
Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803): De Messias. Heldendicht, in twintig Zangen. Het Hooduitsch van F. G. Klopstok in dichterlijk prosa gevolgd. Reinschrift einer niederländischen Übersetzung
Handschrift, ohne Ort, um 1840, 3 Bände
Bibliothekssignatur: Cod. nov. : 274, 1-3
Klopstocks berühmtestes Werk Der Messias erfuhr zahlreiche Übersetzungen in fremde Sprachen, darunter vier Übersetzungen ins Niederländische. Die vorliegende Reinschrift stammt vermutlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ist in sehr schönem, gleichmäßigem Duktus in lateinischer Schrift ausgeführt. Es handelt sich dabei um eine Abschrift einer anonymen niederländischen Prosaübersetzung, die in den Jahren 1797–1802 in 5 Bänden bei Joannes Roelof Poster in Amsterdam gedruckt wurde. Die drei Bände der Reinschrift sind mit Goldschnitt ausgestattet und stellen ein ebenso repräsentatives wie außergewöhnliches Zeugnis für die Messias-Rezeption dar.
Zustand: Halbleder mit Gewebebezug, Fälze gebrochen, Leder spröde und ausgeblichen, Deckel teilweise abgerissen, eine Rückenfläche fehlt
Was ist zu tun: Ablösen der Rücken, Anheben der Lederflächen auf den Deckeln, (bei Band 3 Anlängen der Heftbünde), Anfertigung neuer Lederrücken, Übertragung der originalen Lederbezüge, Konservierung der Lederflächen, Aufbewahrung in alterungsbeständiger Schutzklappkassette
Restaurierungskosten: 460,- €

Objekt-Nr. 21
Syrische Predigtgelehrsamkeit
Ephraem Syrus: Sermones
Handschrift, Niederlande, 1. Hälfte 15. Jahrhundert, Pergament, I + 96 + II Blätter
Provenienz: Aus dem Besitz des Hamburger St.-Katharinen-Hauptpastors Johann Christoph Wolf
Bibliothekssignatur: Cod. theol. 2170
Die kleinformatige Pergamenthandschrift enthält eine Auswahl aus den Predigten des syrischen Kirchenlehrers Ephraem (ca. 306-373), die in der frühchristlichen Zeit und während des Mittelalters in vielen Zusammenstellungen überliefert wurden. Es handelt sich um eine typische Gebrauchshandschrift ihrer Zeit; derartige Codices waren für die Hand des Studierenden oder Predigers bestimmt. Wohl in Holland entstanden (auf diese Herkunft verweist auch ein Besitzeintrag "Volpardi Theodori de Gouda" aus dem Jahr 1454), kam der Codex im 18. Jahrhundert über die Sammlung der Hamburger Gelehrten Johann Christoph und Johann Christian Wolf in die Hamburger Stadtbibliothek.
Zustand: Handschrift auf Pergament, Einband Ganzleder über Holzdeckeln mit Schließen, beide greifenden Teile fehlen, Rückenbezug fehlt, nur das obere Feld ist noch erhalten, Ecken sind aufgestoßen, die Bünde sind vorn im Falz gebrochen
Was ist zu tun: Zerlegen, Trockenreinigung, Schließen von Einrissen, neue Heftung, neue Kapitale, Einbandrestaurierung, Aufbewahrung in einer alterungsbeständigen Schutzklappkassette
Restaurierungskosten: 770 Euro

Objekt-Nr. 4
Annales Huyesburgenses
Christian Franz Paullini (1643–1712): Annales Huyesburgenses
Handschrift, ohne Ort 1685
Provenienz: Zacharias Conrad Uffenbach
Bibliothekssignatur: Cod. hist. 92
Die Geschichte des Klosters St. Maria auf der Huysburg bei Halberstadt, ein bedeutendes Benediktinerkloster in Sachsen-Anhalt, ist noch wenig erforscht. Im 17. Jahrhundert hatte Christian Franz Paullini damit begonnen, die ihm zugänglichen Urkunden und Dokumente zur Klostergeschichte zu sammeln und kommentiert herauszugeben; sein druckfertiges, 1685 abgeschlossenes Manuskript liegt in Cod. hist. 92 vor. Zur Drucklegung kam es dennoch nicht, da Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg wegen einiger kritischer Passagen über die Rechte und Pflichten des Landesherrn dem Kloster gegenüber den Druck untersagte. Im Zweiten Weltkrieg verlagert, kam das Manuskript erst 1989 wieder nach Hamburg zurück.
Als Verstärkung des schmucklosen Pappeinbandes wurden vom Buchbinder des 17. Jahrhunderts Einzelblätter einer wesentlich älteren juristischen Handschrift benutzt. Im Zuge der Restaurierung sollen diese Blätter aus dem Pappeinband gelöst und separat, aber zur Handschrift gehörig, aufbewahrt werden.
Zustand: Papier über Pappdeckeln, stark berieben, Ecken aufgestoßen, Fälze gerissen, Rücken nur noch in Fragmenten erhalten, Handschrift auf Papier, verbräunt, leicht fleckig, Heftung lose.
Was ist zu tun: Buchblock zerlegen, Trockenreinigung, Nassbehandlung (Wässern, Neutralisieren, Puffern, Nachleimen), Papierrestaurierung, Heften, Einbandrestaurierung, Aufbewahrung in einer Alterungsbeständigen Schutzklappkassette.
Restaurierungskosten: 600 Euro





