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Über die Arbeitsstelle

Ausschnitt Handexemplar Klopstock

Unter den Großen der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts musste Klopstock am längsten darauf warten, dass seine Werke und Briefe in einer historisch-kritischen Gesamtausgabe zugänglich gemacht werden.

Während für Lessing, Goethe und Schiller bereits im 19. Jahrhundert wissenschaftliche Gesamtausgaben angelegt wurden, nach deren Abschluss wiederholt umfassende editorische Bemühungen neu einsetzten, wurden von Klopstock im entsprechenden Zeitraum nur Teile seines Werkes und seiner Korrespondenz philologisch einigermaßen zuverlässig ediert. Eine im Zweiten Weltkrieg von der Akademie in München geplante Gesamtausgabe kam nicht zustande.

In Hamburg ist die älteste Tradition der Sammlung von Klopstock-Handschriften und -Drucken lebendig. Sie begann im 19. Jahrhundert in der Stadtbibliothek, die 1919 Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) wurde. Diese Bibliothek nimmt für die Sammlungstradition eine Schlüsselstellung ein. Höhepunkt der Sammlungstradition war der Erwerb des Klopstock-Nachlasses aus Privatbesitz 1950. Von 1950 bis 2003 hat die Bibliothek 32 Handschriften und zwei Handexemplare des Dichters („Hermann und die Fürsten“, „Der Messias“) erworben. Doch auch die Wiege der Klopstock-Edition und -Forschung ist eng mit der SUB verbunden. Der Leiter der damaligen Stadtbibliothek, Christoph Daniel Ebeling, war ein Freund Klopstocks und wurde noch von Klopstock selbst mit der Fortführung seiner bei Göschen in Leipzig erscheinenden Werkausgabe betraut.

Georg Joachim Göschen (1752-1828) hatte sich als Verleger mit der Prachtausgabe von Christoph Martin Wielands „Sämmtlichen Werken“ (1794-1802) einen Namen gemacht. 1796 wurde Göschen von Klopstock mit dem Verlag der „Werke“ des Dichters beauftragt. Auch auf diese Ausgabe, die 1817 mit dem 12. Band abgeschlossen wurde, richtete sich Göschens buchgestalterischer Ehrgeiz: Sie sollte ein „monumentum typographicum“ werden.

Die Neuplanung einer wissenschaftlichen Klopstock-Gesamtausgabe zu Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts fiel in eine Phase, in der auch andere große wissenschaftliche Gesamtausgaben konzipiert wurden. Begründet wurde die historisch-kritische Ausgabe der Werke und des Briefwechsels Klopstocks („Hamburger Klopstock-Ausgabe“ = HKA) wiederum von dem damaligen Direktor der SUB, Hermann Tiemann, zusammen mit den Hamburger Professoren Karl Ludwig Schneider und Adolf Beck.

Im Oktober 1962 wurde eine Arbeitsstelle in der SUB eingerichtet, um den Nachlass systematisch aufzuarbeiten, Editionsmaterial zu sammeln, zu ergänzen und den geplanten Bänden zuzuordnen. Ferner mussten Arbeitsinstrumente wie z. B. Register, Handapparate der wichtigsten Ausgaben und der wichtigsten Forschungsliteratur, Transkriptionen schwer lesbarer Texte hergestellt werden und Zeugnisse über den Autor erschlossen und dokumentiert werden. Rose-Maria Hurlebusch, die diese Stelle bis zu ihrem Tod 1989 innehatte, übernahm 1974 zusammen mit Horst Gronemeyer, dem langjährigen Direktor der SUB, Elisabeth Höpker-Herberg und Klaus Hurlebusch die Hauptherausgeberschaft von A. Beck, K. L. Schneider und H. Tiemann.

Die HKA, an der seit 1962 gearbeitet wird und die seit 1974 erscheint, ist die erste und einzige wissenschaftliche Gesamtausgabe dieses Dichters. Sie wäre jedoch ohne die jahrzehntelange finanzielle Förderung seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Freien und Hansestadt Hamburg nicht zustande gekommen.

Von Anfang an war geplant, die „Hamburger Klopstock-Ausgabe“ - nicht zuletzt in Erinnerung an den Vorsatz G. J. Göschens -  typographisch anspruchsvoll zu gestalten. Als Typograph wurde Richard von Sichowsky (1911-1975) gewonnen, der Gestalter der kritischen Stadler-Ausgabe und der kritischen Georg Heym-Ausgabe. Mit der Wahl des Verlags Walter de Gruyter legte man die Ausgabe schließlich sogar in die Hände des Nachfolge-Verlags von Göschen und tatsächlich wurden 1974 die ersten Bände der HKA von der Stiftung Buchkunst zu den 50 schönsten Büchern des Jahres erklärt.