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Carl von Ossietzky

Namensgebung

1983 erhielt die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg zum fünfzigsten Jahrestag der nationalsozialistischen Bücherverbrennung den Namen Carl von Ossietzky und heißt seitdem »Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky«. Der persönliche Nachlass Carl und Maud von Ossietzkys wird jedoch am »Bibliotheks- und Informationssystem der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg« verwahrt.

Sammlungen

Zu Ehren ihres Namensgebers sammelt die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg alte und neue pazifistische und antimilitaristische Literatur sowie jede Art von Veröffentlichungen zum publizistischen Schaffen Carl von Ossietzkys in allen europäischen Sprachen. Die Ossietzky-Sammlung ist im »Carl von Ossietzky-Lesesaal« aufgestellt, der als ein »Zentrum des aktiven Gedenkens« an Ossietzky eingerichtet wurde und zugleich auch die Bibliothek und das Archiv der »Walter A. Berendsohn-Arbeitsstelle für Deutsche Exilliteratur« beherbergt. Außerdem sammelt die Staats- und Universitätsbibliothek umfassend die Literatur zu Politik und Friedensforschung (Sondersammelgebiet der Deutschen Forschungsgemeinschaft).

Über Carl von Ossietzky

Carl von Ossietzky  wurde am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Von 1896 bis 1904 besuchte er die Realschule und nahm 1907 eine Arbeit als Schreiber bei verschiedenen Hamburger Behörden an. Schon früh zeigte er Neigung zu publizistischer und literarischer Tätigkeit und gab deshalb 1914 seinen Brotberuf auf. Aufgrund kriegsbedingter materieller Unsicherheiten war er jedoch bald gezwungen, um Wiedereinstellung in den Behördendienst zu bitten.

In diesen Jahren schloss er Bekanntschaft mit Maud Hester Lichfield-Woods. Sie war Anhängerin der radikalen Frauenrechtsbewegung. 1913 heirateten Carl und Maud in England. 1919 wurde Rosalinda, ihr einziges Kind, geboren.

Nach dem Krieg war Ossietzky nur noch kurze Zeit in Hamburg. Hier wurde er in die Loge »Menschentum« aufgenommen, bevor er im Herbst 1919 nach Berlin übersiedelte, um dort eine Stelle als Sekretär der »Deutschen Friedensgesellschaft«, der ältesten und bedeutendsten pazifistischen Organisation in Deutschland, anzutreten. 1920 wurde Ossietzky Redakteur bei der liberalen »Berliner Volks-Zeitung«. In diesem Kreis entstand die »Nie-wieder-Krieg-Bewegung«, in der u.a. auch Kurt Tucholsky und Albert Einstein mitarbeiteten. Pazifistische Massenaktionen schienen für Ossietzky der einzige Weg, um einen neuen Krieg zu vermeiden. In den Folgejahren - die Friedensbewegung war heillos zerstritten und verlor an Einfluss, eine von Ossietzky mitbegründete »Republikanische Partei« scheiterte bei den Wahlen von 1924 - entwickelte sich Ossietzky zum radikal-demokratischen Antimilitaristen. Er wandte sich vor allem gegen die immer noch führende Position des Militärs in Staat und Gesellschaft. Von 1924 bis 1926 war Ossietzky als Redakteur beim liberal-demokratischen »Tage-Buch« tätig. 1926 begann er als Redakteur für die Wochenzeitschrift »Weltbühne«, eine Theater- und Kulturzeitschrift, die zunehmend auch politische Beiträge enthielt, zu schreiben. 1927 wurde er Herausgeber der »Weltbühne«.

Ossietzkys militärkritische Haltung als politischer Journalist und seine Verantwortung als Herausgeber brachten ihn mehrfach in Konflikt mit der konservativen politischen Justiz. 1931 wurde er wegen »Landesverrats« zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Anlass dafür war ein 1929 in der »Weltbühne« erschienener Artikel über Aufrüstungspläne im Luftfahrtbereich. Der Verfasser des Artikels floh vor Beginn des Prozesses; Ossietzky blieb, da er Anklage und Gefängnishaft als Disziplinierungsmaßnahme, sein eigenes Verhalten als Demonstration gegen das Unrechtsurteil und die Verletzung demokratischer Rechte schlechthin begriff. Weihnachten 1932 konnte er durch eine Amnestie vorzeitig entlassen werden.

Im Gegensatz zu anderen gefährdeten Demokraten und Intellektuellen blieb Ossietzky - trotz zahlreicher Warnungen - auch nach der Machtübergabe an die Nazis in Deutschland. Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand wurde er verhaftet. Vom Berliner Polizeigefängnis kam er über die Festung Spandau in das KZ Sonnenburg bei Küstrin. Bereits nach einigen Wochen war er körperlich so ruiniert, dass er in der Krankenabteilung untergebracht werden musste. 1934 wurde er ins KZ Esterwegen bei Oldenburg überführt, wegen seines schlechten Gesundheitszustands 1936 in ein Berliner Krankenhaus verlegt.

1935 wurde Ossietzky für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Es entstand eine internationale antifaschistische Kampagne unter der Leitung der »Deutschen Liga für Menschenrechte« und des »Schutzverbandes deutscher Schriftsteller« im Pariser Exil. Die deutsche Regierung sah sich durch das weltweite Engagement unter Druck gesetzt und versuchte, Ossietzky mit dem Versprechen, er werde in die Freiheit entlassen, von der Annahme des Preises abzubringen. Ossietzky lehnte dieses Ansinnen ab. Im November 1936 wurde ihm rückwirkend der Friedensnobelpreis für 1935 zuerkannt.

Die letzten Monate seines Lebens verbrachte Ossietzky in einem Berliner Krankenhaus gemeinsam mit seiner Frau, isoliert von der Außenwelt und unter Polizeibewachung. Am 4. Mai 1938 starb er an den Folgen seiner KZ-Haft.