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Volker Cirsovius-Ratzlaff

NS-Raubgut in der Stabi: Die einzelnen Schritte

Ausschnitt Stempel Cohn

„Die Provenienzforschung widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung der Herkunft (Provenienz) eines Kunstwerks oder Archivguts in Museen, Bibliotheken und Archiven.“ (Wikipedia)

Für den Bereich des „NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts“ ist sie der Versuch, die Herkunft z.B. der Bücher zu ermitteln, die ehemaligen Besitzer bzw. deren Erben ausfindig zu machen und die Bücher zu restituieren.

Ausgangspunkt der Provenienzrecherche sind Besitzvermerke in den als Raubgut klassifizierten Büchern, wie etwa handschriftliche Namenseinträge, Exlibris, Besitzstempel oder andere Spuren, die einen Rückschluss auf frühere Eigentümer zulassen.
Leider sind nur in einem kleinen Teil der verdächtigen Bücher solche Spuren zu finden und auch diese helfen nicht immer weiter: Ein Exlibris, das nur den Vornamen nennt, ein handschriftlicher Besitzvermerk, der nur die Initialen verrät, ein verblasster Stempel sind Spuren, die leider schnell ins Nichts führen.

Mit einem Namen beginnt man die Suche zunächst in Nachschlagemöglichkeiten wie z.B. alten Adressbüchern oder Opferdatenbanken. Unbedingt sind die Akten der eigenen Institution zu befragen, die Auskunft über die Herkunft der Bücher geben können.
Leider sind diese Akten häufig nicht vollständig, da sie entweder kriegsbedingt zerstört oder am Kriegsende mutwillig vernichtet wurden. Genauso wichtig sind deshalb oft die Akten der nationalsozialistischen Bürokratie, hier vor allem die der Oberfinanzpräsidenten.
Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Informationen zu den früheren Besitzern nicht automatisch auch zu deren Erben führen. Wenn es überhaupt Erben gibt, so bedarf es oft genug einer weiteren Recherche, diese zu finden.

Hilfreich für die Provenienzforschung ist eine gute Vernetzung der verschiedenen Institutionen, denn manchmal finden sich auch in den Akten anderer Einrichtungen Hinweise auf problematische Bestände der eigenen Bibliothek.

Insgesamt benötigt der Provenienzforscher ein detektivisches Gespür, viel Ausdauer - und hin und wieder auch die Hilfe des Zufalls.

 

Was ist NS-Raubgut   l   Das Projekt   l   Die einzelnen Schritte

Ergebnisse

Welche Bestände werden geprüft?
Seit 2006 erfolgt eine systematische Überprüfung der Zugangsjournale der Stabi auf raubgutverdächtige Zugänge.
In diesen Journalen oder Listen wurde jeder erworbene oder als Geschenk erhaltene Band mit Verfasser, Titel, Erscheinungsjahr, der jeweils gebenden Person oder Institution und einer laufenden Nummer (der Zugangsnummer) verzeichnet.

Zunächst konzentrierten sich die Arbeiten auf Geschenk-Zugänge von der Gestapo und Überweisungen oder Ankäufe vom Oberfinanzpräsidenten aus den Jahren 1940-45, da der Zugang über diese Institutionen als eindeutiges Indiz für NS-Raubgut gewertet wurde.

Inzwischen wurden die Nachforschungen auf Geschenk-Zugänge aus den Jahren 1933-39 ausgeweitet und auch relevantes Aktenmaterial (so z.B. eine Angebots-Liste der Reichstauschstelle aus Berlin) wurde in die Suche nach raubgutverdächtigen Titeln einbezogen.

Was wird geprüft?
Geprüft wird jeweils

  • ob sich die fraglichen Titel noch im Bestand der Stabi befinden,
  • ob sie sich die fraglichen Exemplare (Zugangsnummer) noch in der Stabi befinden, oder durch andere Exemplare ausgetauscht wurden
  • ob sich Hinweise auf die ehemaligen rechtmäßigen Besitzer (Stempel, Widmungen, Autogramme, Exlibris u.ä.) entdecken lassen


Schwierigkeiten
Da ca. drei Viertel des Buchbestandes der Stabi bei den Bombenangriffen im Sommer 1943 vernichtet wurden und insbesondere in den letzten Kriegsjahren 1943-45 viele Zugänge nicht mehr in den Zugangsbüchern verzeichnet wurden, können in vielen Fällen verdächtige Zugänge nicht mehr im Bestand der Stabi ermittelt werden.

Andere Bände können nicht mehr eindeutig als Verdachtsfälle identifiziert werden, z.B. wenn im Rahmen von buchbinderischen Maßnahmen Besitzvermerke, Sekretierungs- und andere Hinweise entfernt wurden.

Trotz dieser Schwierigkeiten konnten bislang mehrere Tausend Bände ermittelt und überprüft werden.

Wie werden die Ergebnisse der Suche dokumentiert?
Alle Ergebnisse dieser Überprüfung, d.h. alle ‚Verdachtsmomente’ und Hinweise auf Vorbesitzer, aber auch andere Informationen, die für den weiteren Verlauf des Projektes von Interesse sein könnten, werden im jeweiligen Datensatz der Verbunddatenbank verzeichnet und stehen so allen Mitarbeitern des Projekts zur Verfügung.

Zusätzlich werden die überprüften Titel – wenn möglich – gemäß der im Leitfaden für die Ermittlung von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in Bibliotheken definierten Verdachtskategorien klassifiziert.
Diese Klassifizierung reicht von Kategorie 1 = „geklärt, kein Raubgut“ bis zu Kategorie 6 = „Raubgut“ (bzw. Kategorie 7 = „entschädigt“).

Was geschieht mit ermittelten Raubgut-Büchern?
Bei einem bestätigten Raubgutverdacht bzw. bei eindeutigen Indizien (so vor allem bei Einlieferung über die Gestapo)

  • werden die relevanten Informationen auch im Campuskatalog für die Benutzer sichtbar gemacht
  • erfolgt eine gesonderte Aufstellung der Bücher, die dann nur noch im Handschriftenlesesaal eingesehen werden können
  • erfolgt eine entsprechende Meldung an die überregionale LostArt-Datenbank
  • wird versucht, die rechtmäßigen Besitzer oder deren Erben zu ermitteln und mit diesen eine Einigung im Sinne der Washingtoner Prinzipien zu erreichen.


Aktueller Stand
Hier können Sie sich die aktuell als Raubgut eingestuften Titel im Campuskatalog anzeigen lassen: Abfrage NS-Raubgut

Wenn Sie innerhalb dieser Titelmenge / Ergebnismenge gezielt nach einer Provenienz, einem Namen oder Lieferanten (z.B. nach allen Gestapo-Eingängen) suchen möchten, können Sie dies über eine weitere Einschränkung tun (Achtung: die erste Suchanfrage "sgn NSR?" muss dabei immer beibehalten werden!).

 

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Besitzvermerk-Bilder

Stempel
Stempel
Exlibris
Exlibris
Widmung
Widmung
Autogramm
Autogramm
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Donnerstag, den 22. Mai 2014

Broschüre über die Arbeit der NS-Raubgutforschung in der Stabi

Die neu erschienene Broschüre dokumentiert die Arbeit des Projektes NS-Raubgut in der Stabi. Die Rolle der Bibliothek in der Zeit des Nationalsozialismus wird problematisiert, der Weg der verdächtigen Bücher in die Stabi nachvollzogen, die aufwändige Recherchearbeit nach den Besitzern bzw. deren Erben aufgezeigt. Seit 2006 hat das Projekt zahlreiche Erfolge erzielt und insgesamt 17 Restitutionen vornehmen können. Im Vorwort der Broschüre schreibt Gabriele Beger, die Direktorin der Stabi: Auf den unterschiedlichsten Wegen ist so genanntes NS-Raubgut in deutsche Bibliotheken gelangt. Es sind...mehr >


Montag, den 12. Mai 2014

NS-Raubgut in der Stabi

Artikel in der Online-Ausgabe der Eimsbütteler Nachrichten und im Blog der Zeit über das NS-Raubgutprojekt in der Staats- und Universitätsbibliothekmehr >


Montag, den 24. Februar 2014

Georg Ehrlich: Ein Hamburger Sozialdemokrat hinterlässt seine Spuren.

Gemeinsam mit den Kommunisten gehörten die Sozialdemokraten zu den am schärfsten Verfolgten politischen Organisationen im Nationalsozialismus. Der Fund eines Buches und die Suche nach den Erben ließen uns in die Geschichte des sozialdemokratischen Widerstands gegen das NS-Regime in Hamburg blicken. Es geht um ein Buch von Georg Ehrlich, der als Sozialdemokrat verfolgt wurde. Georg Ehrlich, am 1. August 1904 in Altona geboren, war bereits mit 19 Jahren in die SPD und Gewerkschaft eingetreten. Er engagierte sich dort in sozialen und politischen Bereichen: z.B. zwischen 1927 und 1933 als...mehr >


Mittwoch, den 12. Februar 2014

Henrik Kacser

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einen schnellen Erfolg der Restitution aufschieben können. Bereits zu Beginn des Projektes NS-Raubgut an der Stabi wurde der Besitzvermerk Heinrich Kácser in einem Buch gefunden. Erste Recherchen führten leider zunächst ins Leere. Erst der zweite Fund eines Buches im Sommer 2013 führte zu einem Durchbruch und zu einer erfolgreichen Restitution. Was war also geschehen? Bei der Überprüfung der Altbestände der SUB war uns ein Buch mit einer Widmung für Henrick Kacser aufgefallen. Der Nachname war ungewöhnlich genug, um hier einen Zusammenhang mit dem...mehr >


Donnerstag, den 29. August 2013

Persönliche Begegnungen

Lesen Sie hier einen kurzen Bericht über die Restitution von fünf Büchern des Dr. Joseph Norden mehr >


Donnerstag, den 29. August 2013

Persönliche Lebensspur

Lesen Sie den Artikel aus der Wuppertaler Rundschau zur Restitution der Bücher des Dr. Joseph Norden.mehr >


Montag, den 26. August 2013

Geraubte Bücher des Rabbiners zurückgegeben

Geraubte Bücher des Rabbiners zurückgegebenmehr >


Mittwoch, den 31. Juli 2013

NS-Raubgut zurück in jüdischer Familie

Sehen Sie hier den Beitrag aus dem Hamburg Journal vom 18.7.2013mehr >


Montag, den 22. Juli 2013

Ein Fall für die Buchdetektivin

Ein Artikel in der Hamburger Morgenpost über die Arbeit des Projektes NS-Raubgut in der Staatsbibliothekmehr >


Donnerstag, den 18. Juli 2013

Keiner erinnerte sich mehr an die Bücher

Lesen Sie hier ein Interview mit Nancy Petschek-Kohn, der Urenkelin von Helene und Ignaz Petschek zur Restiution der Bibliothek Petschek aus der Online-Ausgabe von "Die Welt"mehr >


Donnerstag, den 18. Juli 2013

Die späte Rückgabe

Lesen Sie hier den Artikel aus der Online-Ausgabe von "Die Welt" zur Restiution der Bibliothek Petschek.mehr >


Donnerstag, den 18. Juli 2013

Die späte Rückgabe der gestohlenen Bücher

3 Artikel im Hamburger Abendblatt über die Rückgabe von Büchern an die Familie Petschekmehr >


Donnerstag, den 18. Juli 2013

Menschlich Gesehen - Lesen im Vatikan

Lesen Sie hier das Portrait unserer Kollegin Ulriek Preuss im Hamburger Abendblattmehr >


Donnerstag, den 18. Juli 2013

Geraubte Bücher: "Im ganzen erwünscht"

Artikel in "Die Zeit" zur Rückgabe von NS-Raubgut.mehr >


Mittwoch, den 17. Juli 2013

Bibliothek gibt NS-Raubgut zurück

Lesen Sie hier den Artikel in der Münsterländischen Tageszeitung zur Restitution der Bibliothek Petschekmehr >


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